Romania

2004-04-17

Wir backen gerade wieder nachdem der naechtliche Regen aufgehoert hat. Torsty und ich konnten in unseren bisherigen zwei Hoteluebernachtungen nicht richtig schlafen. Autolaerm und schlechte Zimmerluft. Man gewoehnt sich viel zu schnell um seine Naechte zum Rauschen des Wassers, Prasseln des Regens, Vogelgezwitscher, Hundegebell, Hahnenkraehen, Kuckucksrufen und was es sonst noch so an Geraeuschen draussen gibt zu verbringen. Dazu noch ein guter "Charakteruntergrund", wie wir eine unebene Zeltflaeche nennen, und man schlummert wie ein Baby ;-)
Die Panorama Piste geht so schoen weiter wie sie angefangen hat und wir erreichen die Rumaenische Grenze. Ein Donaustauwerk. Der niedrige Wasserstand des Flusses vor dem Werk war uns bereits aufgefallen - nach dem Wetter der letzten Wochen haetten wir das anders erwartet. Des Raetsels Loesung ist der Staudamm: das Hinterland ist ueberflutet und das Teil sprudelt aus allen Fugen und arbeitet auf Maximalkapazitaet. Wir passieren die Grenze, aber nicht bevor der Grenzer uns nicht mehrfach auf seine Waffe hingewiesen hat nachdem wir versehentlich den falschen Ausgang angesteuert hatten. In Serbien haben sie mich in einer Wechselstube fast ausgelacht als ich nach rumaenischer Waehrung fragte, direkt an der Grenze bekommen wir zunaechst auch nichts, da uns der Typ, der tauschen wollte zu windig/unglaubwuerdig aussah. Ausserdem kannten wir den Kurs noch nicht und wollten uns nicht abzocken lassen. Also zur Bank und Kurs rausfinden. Dort stehen wir an einem Samstag Abend zwar vor verschlossenen Tueren, den Kurs erfaehrt man trotzdem: Fuer 1 Euro gibt es ca 40.000 Leu. Uns gabeln zwei Typen auf, die auf Englisch wissen wollen was wir brauchen. Anschliessend fuehren sie uns durch die Stadt und treiben jemanden auf, der 1:40.000 mit uns tauscht. Also gehen wir mit 400.000 Leu gefuehrt von unseren beiden Begleitern restmal shoppen. Sie warnen uns noch einmal ausdruecklich vor der Kriminalitaet in ihrem Land und besonders vor dem Bahnhof, der "Punk" Gebiet sei: "Your luck is running out." Sie verabschieden sich und wollen gehen, wir geben ihnen aber noch ein Dankeschoen Andenken mit - die ersten Edible Rock Fans in Rumaenien ;-)
Mit den Tauschkursen auf der Strasse ist so eine Sache... Aber letzten Endes koennen wir gar nicht wirklich verlieren. Erstens habe ich sowieso nur kleine Scheine dabei - bei einem schlimmstmoeglichen Tausch mit 100% Verlust also maximal 10 Euro verloren. Zweitens ist eh alles soviel guenstiger hier, dass selbst wenn alle zu unseren Ungunsten runden und wir nicht die einheimischen Preise zahlen wir uns immer noch freuen koennen gegenueber Deutschland gespart zu haben. Das gesagt, glaube ich wir haben uns bisher dennoch gut geschlagen und sind nicht grossartig beschissen worden.
Zwei Kiddies fahren uns mit ihren Mountainbikes hinterher und quatschen uns auf unsere Raeder an. Dre eine ist Fachmann und kennt die ganen Komponenten. Ein witziges "Gespraech" entsteht. Versucht mal mit jemandem ueber Fahrradtechnik zu fachsimpeln, wenn sich euer gemeinsamer Wortschatz auf die Markennamen der Hersteller beschraenkt ;-)
Im Land treffen wir einige Granzpolizeiwagen und and er Grenze selbst liefen auf beiden Seiten mit automatischen Waffen ausgestattete Soldaten im Gelaende herum. Scheinbar ist irgendwas im Busch.
Nach all den Vorurteilen und Warnungen, die ich bisher zu Rumaenien zu hoeren bekommen habe muss ich nach den ersten 30km im Land sagen, dass ich hoechst positiv beeindruckt bin. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Die Strassen sind in gutem Zustand und vor allem sauberer als in Serbien (und das nach dem Spruch eines Oesterreichers: "Zum schwarzen Meer?! Dann kommt ihr ja durch Rumaenien! Ich weiss nicht, ob die da Strassen haben."). Autos ueberholen wieder ruecksichtsvoller und noch hat niemand gehupt (Danke! Das nervt dermassen... erst Recht, wenn der Fahrer dann grinsend und winkend am Steuer sitzt und nen freundlichen Gruss zurueck erwartet. Ich hab mir nicht selten ne scheibensprengende Fussnballtroete als Antwort gewuenscht). Die Menschen sitzen auf Baenken an den Strassenraendern, quatschen und geniessen den Abend. Pferdefuhrwerke sind regelmaessig im Verkehr unterwegs. Wenn man sie gerade mal nicht live sieht weiss man doch, dass es sie geben muss wegen der vielen Hinterlassenschaften auf dem Asphalt.

2004-04-18

Rumaenien zeigt sich weiterhin von seiner besten Seite. In jedem Dorf durch das wir fahren sitzen die Menschen an der Strasse und laecheln, winken und rufen uns zu "ciao, ciao!", "Salut!", "Touristi!". Letzteres erstaunt und freundlich ausgerufen. Man kommt sich fast vor wie Michael Jackson wenn man so empfangen wird, besonders wenn dann auch noch ne Meute Kinder am Strassenrand steht und man beim Treten allen der Reihe nach die Haende abklatscht. Wir werden von zwei Verkehrspolizisten gestoppt. Die beiden sind neugierig und verfolgen begeistert unsere bisherige und geplante Route auf unserer Karte. Wir bekommen die dringende Empfehlung am Donaudelta doch unbedingt das rumaenische Nationalgericht Fisch(-suppe?) zu probieren. Zudem bringen sie uns die ersten paar wichtigen Worte ihrer Sprache bei.
Bei einer kurzen Rast stoppt einer der Pferdewagen neben uns und die beiden Maenner darin winken uns zu sich rueber. Wir bekommen irgendwas sehr gut schmeckendes, sehr hochprozentiges ausgegeben. Ausserdem Zigaretten angeboten, aber der einzige Raucher unter uns ist seit Beginn der Tour auch keiner mehr...
Wir erstehen Honig am Strassenrand und Lebensmittel aus einem winzigen Geschaeft (es ist Sonntag - das stoert hier niemanden). Der zweite Einkauf gestaltet sich etwas langwieriger, da der Alte total erfreut ist, dass wir extra aus "Germania!" geradelt sind um sein Dof zu besuchen. Nach Serbien ist es ein soooo gutes Gefuehl sich wieder erwuenscht und gern gesehen zu fuehlen. Wir bekommen noch ein paar Kerne ausgegeben, die hier alle futtern, und zischen weiter. Einige Einladungen aufn Bier am Strassenrand schlagen wir aus und erreichen Calafat. Eine Stadt mit fast perfekten autofreien Allee Strassen. Die Idee und Utopie autofreier Staedte in meinem Kopf hat neue Nahrung ;-) Spaeter mehr...
Wir sehen Zigeuner (ist es PC die so zu nennen?) auf Tour in ihren Pferdewagen. Spaeter noch mehr. Wir werden auch angebettelt, aber immer sehr zurueckhaltend und immer erst um Zigaretten und erst danach um Nahrung. Sooo schlimm kann es also nicht um sie bestellt sein.
Jeder Zentimeter grasland wird hier zum Weiden genutzt odre fuer Heu gemaeht. Wir nutzen diesen Umstand und campen auf den gemaehten Flaechen. Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben bewaffnete Tankwarte gesehen. Noch eine Premiere fuer mich sind die Dorfbrunnen, die auch oft genutzt und umlagert sind.
Wir beenden den Tag auf einer Schotter- Sandpiste (hoffentlich noch der richtige Weg) und bauen die Zelte in einem Waldstueck auf, wie es besser fuer uns nicht angelegt sein koennte. Bei einem so genialen Tag verzeihen wir doch gerne den heutigen Regen und Gegenwind - zumal wir auch so durch Mega Moral 100km gekurbelt sind ohne es wirklich zu merken ;-)

2004-04-19

Der Tag beginnt frueh, weil unser Waldstueck zum Leben erwacht. Mehrere Einheimische beim Kraeutersammeln und Baeume faellen sprechen uns an. Wir teilen unser frischgebackenes Fruehstuecksbrot mit einigen - aber scheinbar ist es nicht so ganz ihre Geschmacksrichtung - Banausen! Danach fahren wir nach dem Motto: "To boldly go where no tourist has ever gone before." weiter. Wir verlassen also die "Hauptstrasse" mit einigen Autos und sporadischen Pferdewagen und fahren auf die Nebenstrasse mit einigen Pferdewagen und sporadisch aufkreuzenden Autos. Der Asphalt wechselt von gut ueber loechrig zu nicht vorhanden. Statt auf der Schotterpiste fahren wir lieber auf den Wagenspuren daneben. Spaeter dann auf ganz unbefestigten Sandpisten quer durch Huegel und Waelder. Peinlich als die Route dann vor einem See endet. Der ist aber wohl nicht immer da, zumindest steht mittendrin ein halb geflutetes Haus. Einheimische treffen wir hier ueberal und sie zeigen und erklaeren uns gern den Weg (in den Sand der Strasse gezeichnet oder wir sollen einer Kutsche folgen). Ueberall sieht man Gaense, Enten und Huehner mit ihren Scharen von Kueken. Die Storchennester werden auch immer zahlreicher und haben dutzende kleine Voegel als Untermieter an das Hauptnest angebaut.
Wir leben seit drei Tagen von unseren 10 gewechselten Euros. In der Stadt erzaehlte uns noch jemand sein Traum sei es 3-400 Euros zu sparen und nach Deutschland zu kommen. Wir hatten irgendwie nicht das Herz ihm von den Preisen bei uns zu erzaehlen.
Ach ja, ne Zeitzone ueberfahren haben wir auch noch!
Am Strassenrand nen Grossgrundbesitzer in Anzug gesehen. Er und ein Fernsehtream sahen der Hubschrauberbespritzung seines Landes zu. Paar Acker weiter arbeiten alte Frauen mit der Hacke auf ihrem Land.
Wir pennen zu dem Konzert der Froesche an einem See, nachdem wir ein paar Stunden gegen starken Gegenwind angekaempft haben.

2004-04-20

Der Tag beginnt wie der letzte endete: mit heftigstem Gegensturm und strahlendem Sonnenschein. Es kostet richtig Muehe einen Schnitt von mehr als 10km/h zu fahren und wo wir sonst nen "Fuffi" wegschnorren sind wir heute froh um jeden Fuenfer. Zweimal heute werden wir von der "Politia de la Frontera" gestoppt und nach dem woher und wohin gefragt und unsere Paesse kontrolliert. An der bulgarischen Grenze wechseln wir Geld. Ganz schoenes Manoever den Beamten klarzumachen, dass wir nicht das Land verlassen wollen sondern nur die Wechselstube suchen (irgendwie glaubt einfach _jeder_ hier wir wollten moeglichst bald das LAnd verlassen und sind hocherfreut sobald sie feststellen, das dem nicht so ist und es uns hier blendend gefaellt). Diese tauscht dann auch noch zu nem schlechteren Kurs als die Leute auf der Strasse. Allerdings koennen die auch selten 2.000.000 rausgeben, den Gegenwert eines 50 Euro Scheines. Immerhin erfahren wir im Gespraech mit einem der Beamten was es mit dem riesigen Steinkopf (think Mt Rushmore) auf sich hat, den wir an der Donau sahen. Ein rumaenischer Koenig. Bei unserer Shopping Tour kaufen wir so ziemlich jeden Artikel, den die beiden "Magazin Generals" fuehren einmal. Als wir uns daran machen die frisch erworbenen Fressalien vor dem Laden auf der Strasse zu verzehren werden wir zurueckgepfiffen und man deckt uns extra einen Tisch. Die Familie macht Fruehjahrsputz und ist offensichtlich gut drauf. Vater empfiehlt uns doch statt "apa" lieber Wein zu trinken und geht mit seinem selbst gemachten auch mit gutem Beispiel voran. Es gibt noch ein gemeinsames Abschiedsfoto und wir kurbeln weiter. Obwohl es diesmal besonders schwerfaellt, da der Wind unvermindert stark blaest, die Familie ausgesprochen nett und gut drauf und der Mann auch noch Musiker (Saxophon) ist. An dem anderen Laden werden wir in Franzoesisch angesprochen und auf nen Kaffee eingeladen. Das Angebot schlagen wir jedoch aus. Ne Gruppe Halbstarker schmeisst uns n Boeller zwischen die Beine, der Barty leicht verletzt. An uns kommt ein Pferdewagen vorueber, gezogen von seinem Besitzer, das Pferd trottet hinterher. Auf dem Wagen liegt ein Autowrack. ATOMLOL! So muss man mit Auto umgehen ;-) Den Tag beenden wir an einer kleinen Schlucht mitten zwischen den Feldern an einer wunderschoenen Stelle.
So, ich tipp seit zwei Stunden - will wieder in die Sonne! Zumal Torsty draussen Gitarre zockt und nen Riesenauflauf veranstaltet - wir verteilen schon Autogramme auf die Arme der Leute ;-) Barty und die Crew des Ladens hier versuchen waehrenddessen alles, um euch endlich mal Fotos praesentieren zu koennen - aber das wird wohl wieder nichts...

2004-04-21

Was danach geschah: Die Menschentraube um unsere Raeder wird immer groesser, die Stimmung ist blendend und es werden Sprache und Adressen ausgetauscht. Eine Lieblingsfrage ist, wie teuer unsere bikes waren. Wir erfinden niedrige Preise, erzaehlen es seien Geschenke gewesen oder weichen ganz aus. Barty erfaehrt ein bisschen ueber Land und Leute: 25% Arbeitslosenquote, seit 50 Jahren "im Umbruch", "wir versuchen frei zu sein, Demokratie zu leben". Die angestellte Studentin in dem Internet Shop verdient 50 Euro im Monat, das Durchschnittseinkommen schaetzt sie auf 150 Euro. Bei solchen Gehaeltern ist der wahre Preis/Wert unserer Raeder natuerlich unvorstellbar... 5 Stunden Internet kosten uns 1 Euro. Ein Anwohner fuehlt sich belaestigt durch den Menschenauflauf und die Polizei schickt die Menge auseinander. Schade drum!
Nachts bricht Grossalarm bei den umliegenden Viechern aus - Hunde bellen wie bekloppt, Esel bruellen herzerweichend. Muessen wohl nen Drachen gesehen haben oder so.
Was davor geschah: Beim Wassertanken klatscht eine alte Frau entzueckt in die Haende: Touristi! Bicicletta! Germania! Bravo, bravo! Bauern am Strassenrand schenken Torsty eine Flasche ihres selbstgemachten, starken, Weines.
Intermezzo: An alle, die mir schreiben sie seien auch voim Reisefieber gepackt und haetten kein Geld dafuer... Lasst euch davon nicht abhalten! Das ist nur eine bequeme Ausrede. Das einzige, was es wirklich braucht, ist der Wille loszulegen. Gut, die Ausruestung im Vorfeld kostet einiges, aber auch da kommen wir mit unserer billig Tschibo Komplettausstattung bestens zurecht. Die taeglichen Lebenshaltungskosten sind phaenomenal niedrig, sogar meine Auslandskrankenversicherung ist guenstiger als die in der Heimat. Ansonsten: keine Wohnung, kein Auto, keine Steuern, kein Telefon, keine Lustkaeufe (wenn man das Zeug nachher per Muskelkraft bewegen mus ueberlegt man sich gut was man wirklich braucht)... Wir reisen auch nur auf unseren Ersparnissen aus diversen Studentennebenjobs und Zivigehalt - reich wird man damit nicht. Also jedem, der zu Hause noch keine Familie zu ernaehren hat o.A. - just do it! ;-)

2004-04-22

Schoenwettertag. Bevor der uebliche Gegenwind einsetzt haben wir sogar kurzfristig "Zisching Conditions" mit Rueckenwind. Also endlich mal wieder ein Tag an dem das grosse Kettenblatt Verwendung findet. Wir fahren an einem Zigeunerlager vorbei. So in der Sonne sieht das ganze sogar gemuetlich und verchillt aus. Nur taeuscht dieser oberflaechliche Eindruck ueber ein ziemlich hartes Leben fuerchte ich. Spaeter fahren wir noch an bestimmt zwei Dutzend der Zigeunerwagen auf der Strasse vorbei. Wir begehen den "Fehler" auf die Zurufe hin anzuhalten und werden direkt angebettelt und von den Kindern umringt und betatscht. Aber interessant war es allemal und mich fasziniert die Idee mit so einem Pferdewagen nahezu beliebige Reichweite zu haben (Gras und Wasser gibt es wohl ueberall...).
Wir begegnen den beiden Hollaendern Eric und Karin. Die beiden sind mit ihren Raedern gerade auf dem Weg in die Heimat und machten ein paar hundert Meter weiter die Strasse runter als wir Picknick. Die beiden sind seit fast einem Jahr unterwegs (die waren in Lhasa! Neid!) - RESPEKT! The Art Of Travelling

2004-04-23

Der Tag endet, wie er angefangen hat, mit der Politia de Frontiera. Morgens werden wir noch in unseren Zelten kontrolliert und Abends besaufen wir uns dann mit einem Beamten, der uns eine Runde nach der anderen ausgibt. Oder "wie die einfache Frage nach Brot und Wasser gruendlich entgleisen kann". Endet mit uns dreien besofen in einem Lokal, in dem wir die einzigen Gaeste sind, dafuer aber zwei Hauptgaenge bestellen, Live Musik und zwei Kellner haben, eine super edle Unikat Flasche Wein angedreht bekommen und die Kueche extra fuer uns zum Markt geht um Fisch zu kaufen, den sie nicht auf der Karte hatten (es gibt naemlich keine Karte). Klingt lustig, aber bezeichnenderweise fuehrte der erste Alkohol Abend der Tour auch zum ersten richtigen Streit der Tour.
Morgens konnten wir einen uralten Doppeldecker bei seinen Starts und LAndungen beobachten. Der wurde zum Spritzen der Felder eingesetzt und ich habe nur darauf gewartet, dass er irgendwann abschmiert oder an den Stromleitungen haengenbelibt ;-)
Wir freuen uns ueber nagelneuen Asphalt, doch zu freu. Das Zeug ist so neu, dass es noch klebrig ist. Wir ueberholen den Bauzug und holpern auf frisch gefraester Strecke weiter. Da begleitet uns ein Einheimischer auf seinem Mountainbike ueber ein paar Kilometer (der war ganz schoen am Hecheln ;-) ) und erzaehlt ueber sich, Land, Leute und seinen Aufenthalt in Germania.

2004-04-24

Wir werden wieder um Autogramme gebeten. Einmal von Kindern waehrend unseres Fruehstuecks, noch einmal von ner Gruppe Frauen, als wir von denen Wasser aus dem Brunnen bekommen. Sie bieten uns ausserdem ne Flasche Wein als Geschenk an (irgendwie kommt hier keiner drauf klar, dass wir nur apa trinken ;-) ). Ich versuche im Internet Cafe (486er, 8Mb Ram, offene Gehaeuse, 25 Cent pro Stunde, Pop-up verseucht und crashend) weiterzukommen was die Visa fuer die Ukraine und Belarus (Weissrussland) angeht. Sieht nicht besonders gut aus - zumindest wenn man den offiziellen Richtlinien glaubt. Ich fuerchte das wird noch einiges an Zeit, Nerven und Geld kosten in Bukarest. Dabei wollte ich die Stadt eigentlich komplett meiden. Naja, wenns zu schlimm kommen sollte kann ich immer noch durch die Karpaten und Polen fahren.
Sind am spaeten Nachmittag durch den Heimtrieb der Kuehe gefahren. Die weiden wahl alle auf derselben Dorfwiese und nun rannten Tiere und Menschen wild durcheinander und versuchten wieder die richtigen Paarungen hinzukriegen. Im Westen des Landes lief das anders, da stand immer ein einzelner Bauer mit seiner Kuh am Strassenrand und passte auf sie auf.
Camp auf weiter Flaeche neben Ueberschwemmungsgebiet. Hunderte von Stoerchen.

2004-04-25

Der Tag beginnt mit einer Schafherde, die durch unser Lager getrieben wird. Wir schieben in der Sonne erstmal ne ganz ruhige Kugel und brechen erst um 1300 Uhr auf. Bis dahin sind wir spannende Unterhaltung fuer ein paar Schaefer, die neben uns im Gras liegen und glotzen.
Beim Einkaufen werden wir von Ady zu sich nach Hause eingeladen. So essen wir dann da, unterhalten uns gut (in Englisch!) und lernen seine Eltern kennen. Adz ist 23, und sein einziger "Job" momentan ist das Ausschlachten eines alten Motorrads samt Beiwagen.
Wir fahren ueber eine grosse, gute Strasse, die sogar eine Moutstelle hat (Bikes sind kostenlos ;-) ). Erinnert ein bisschen an die Autobahn, auf der wir hier wegen Mangel an Alternativen auch schon gefahren sind. Zuerst hatten wir ja noc ne Sekunde gezoegert, aber mit Fussgaengern, Eselskarren, Fahrraedern und Kuehen befanden wir uns in guter Gesellschaft. Ins Radio waeren wir wohl eh nicht gekommen - das gibts naemlich nicht. Nur nen bulgarischen Sender empfaengt man manchmal.

2004-04-26

An die Drogenkinder unter euch - zieht um! Zigaretten kosten hier zwischen 50 und 80 Cent (Ladenpreis, keine Ahnung was ne Stange wert ist - frag mich wie viele von den Teilen auf den Donauschiffen geschmuggelt werden...), n Bier in der Kneipe 25 Cent, ne Flasche hochprozentiges gibts ab 1 Euro.
Wir werden von Schweinen geweckt, die auf eigene Faust unterwegs sind und unser Lager umschnueffeln. Wir hatten auch schon einmal ein Camp, um das morgens ein wilder Hund nem Hasen hinterherjagte. Den Geraeuschen nach, die der Hund von sich gab, kann ich nicht sagen, wer von beiden spaeter tot endete. Obwohl wir auch schon nen Hund beobachteten, der genuesslich seine frisch erjagte Beute zerriss und uns ganz artfremd ausnahmsweise mal gar keine Beachtung schenkte.

2004-04-27

Auf der Kuppe eines Huegels fahren wir zuerst an nem Haufen Patronenhuelsen vorbei, dann an einer Gruppe Haeftlinge, die von Beamten mit automatischen Waffen bei der Feldarbeit bewacht werden - Zusammenhag? Wir erreichen Tulcea und kommen weiter, was mein Visum und die Rueckreise der Jungs angeht. Ich unterhalte mich auf der Strasse mit nem Israeli und wir tauschen Adressen aus. Der Fotograf, der meine Passfotots macht (hatte extra noch welche in Germany gemacht und dann vergessen - doh! Obwohl man mich mittlerweile vielleicht eh nicht mehr erkennt ;-) ) will es sich nicht nehmen lassen uns mit unseren bikes auch noch abzulichten. Mich bezeichnet er als biker und "president of bikeland". Gefaellt mir auf diese Art als staatenlos angesehen zu werden. "You guys are great!" Ein Trucker kauft uns spontan ein Eis, als er erfaehrt woher wir kommen. Wir fragen in einer Disco, Bar, Cafe nach Wasser und man schickt uns zum Dorfbrunnen ;-) Wir ueberqueren in Ruderbooten die Donau und beginnen damit unsere finale "expedition". Das delta dunarii UNESCO Naturschutzgebiet ist 5000km2 gross. Alle befragten Einheimischen meinen unser Ziel sei nur per Boot zu erreichen, der Weg geflutet - wir wollen es trotzdem versuchen und holpern ueber die hartgebackene Schlammpiste. Wir haben Futter fuer drei Tage dabei und planen die Rueckkehr per Boot. Unser Camp schlagen wir hundert Meter von zwei lebenden, brennenden, Baeumen entfernt auf. Spektakulaeres Schauspiel. Der eine ist hohl und explodiert regelmaessig mit grossen Funkenfontaenen, der andere ist eine riesige Fackel. Interessiert hier niemanden - wahrscheinlich wurden die sogar absichtlich angezuendet um dem Naturschutzgebiet mehr Ackerland abzugewinnen.

2004-04-28

Unsere Expedition endet bereits nach ca 50km rauher Piste an einem grossen Donaudammdurchbruch. Schon vorher haten wir zu beiden Seiten der "Strasse" Wasser, was uns irgendwie verdaechtig vorkam ;-) Torsty und ich stuerzen uns dennoch in die eisigen, reissenden Fluten und versuchen eine Furt zu finden. Aber die Stroemung ist stark und das Wasser bis zu schultertief. Nach 2 Stunden kommen Einheimische in nem Ruderboot und bestaetigen uns noch einmal, dass wir es nicht schaffen koennen bis Sulina, selbst wenn wir diese Stelle ueberwinden. Ein Bulle beweist uns die Schwierigkeit der Stelle auch noch einmal, indem er ins Wasser watet und beim Durchschwimmen erstmal abtreibt. Spaeter joggt er dann neben unseren Raedern her... Also zureueckgesprintet zum letzten Ort und so gerade noch auf die bereits wieder ablegende Faehre gesprungen. In Sulina dann noch einmal kurz verfahren und nach muehsamer Schieberei durch weichen Sand und Duenen ist es dann soweit: Das schwarze Meer!
Zur Feier des Tages gehen wir dick Essen (zwei Hauptgaenge plus Getraenke fuer insgesamt 16 Euro) und campen danach am Strand. Torsty bemaengelt: "Aber ich muss mich hinsetzen um die Brandung sehen zu koennen!" Also kein Meerblick im Liegen - so ein Scheiss! ;-)

2004-04-29

Verchillter Sonnentag am Strand. Mission Spagat am schwarzen Meer ist ein Doppelfehlschlag geworden - aetsch! Hab doch gesagt ihr seid bescheuert! ;-)
Gesamtkosten der Tour pro Person: 422 Euro
44 Tage, ca 3200km, 3 mal geduscht, 1 mal im Meer gebadet, 2 mal Waesche gewaschen, 2 Hoteluebernachtungen, 8 mal Essen gegangen, 3 Platten.
Ich packe um fuer meine Soloreise (scheisse! es geht noch schwerer!) waehrend Torsty einen letzten Platten von Stranddornen flickt.

2004-04-30

Sonnenaufgang ueberm Meer um 0530Uhr. Abbau und auf zur Faehre. Ich telefoniere mit der ukrainischen Botschaft. Visum kein Problem, muss nur nach Bukarest und 30 US Dollar bezahlen, dauert einen Tag. Theoretisch. Praktisch sind das fuer mich ca 600km Umweg (nicht sooo schlimm, die Jungs muessen fuer die Heimreise eh da hin), eine Stadt (wuerg) und vor allem: Die bloede Botschaft macht ausgerechnet jetzt Urlaub! Ich habe keine Lust hier eine Woche rum-zu-idlen. Also was tun?
Zur Grenze radeln und versuchen Visum da zu bekommen (alle sagen es sei unmoeglich, auch die Botschaft)?
Route durch die Karpaten und Ungarn, Slowakei, Polen waehlen (soll eh die schoenere Strecke sein)?
Warten bis die Botschaft wieder auf ist?
Postweg versuchen (Botschaft sagt das ginge nicht, und ich verschick hier ungern meinen Pass...)?
Ich denke ich werd in die Karpaten fahren. Immerhin kann ich dann sagen sowohl in der Walachei als auch in den Karpaten gewesen zu sein. Fehlt nur noch "Wo der Pfeffer waechst". Internet Cafe, die anderen sind weg zum Zug. Torsty hat mir noch nen Zettel ans bike geklemmt. Ich krieg nen melancholischen Heimwehflash. Vermiss euch jetzt schon Jungs - war ne geile Tour mit euch, Smutje Torsty und Bergwertungs Barty. Die mails aus der Heimat machen das ganze nur noch schlimmer. Was hilft? richtig, Fahrradfahren! Also nochmal eben 80km weggekurbelt. Unterwegs gibt mir n Trucker n Bier aus (bald mag ich's wirklich, gell Thomas?) und ich mach mir n schoenes Camp am See bei Felsen und Wald. Verschaetz mich erstmal gruendlich mit der Menge Reis, die ich alleine essen kann, zu dritt waren wir doch Fressmaschinen... Heute war der erste Tag mit durchgehend Temperaturen um die 30C. Da lernt man das kuehle Brunnenwasser doch echt zu schaetzen. Zumal das im Gegensatz zum Leitungswasser nicht gechlort ist und beser schmeckt. Ich hoer mir die MiniDisc an, die Torsty mir zum Abschied hinterlassen hat: Propellerleg Radio. Meine Brueder machen ne Radioshow fuer mich. Danke Jungs - hat gewirkt! Ich schlafe mit offenem Zelt, da es immer noch so warm ist. Mitten in der Nacht werde ich vom Strahl einer starken Taschenlampe voll ins Gesicht geweckt. Schlaftrunken und geblendet kann ich draussen nur zwei Maenner in Tarnanzuegen erkennen, die mein Gepaeck untersuchen und anfangen mich zuzutexten. Ich versteh kein Wort. Wie sich herausstellt ist es wieder mal die Grenzpolizei und nachdem sie meinen Pass gesehen haben sind sie auch schnell wieder weg - um vier Uhr morgens!

2004-05-01

Nach 94km und nem Schnitt von 23km/h (endlich mal kein Wind!) mach ich gerade Rast vor einer Kirche. Laufen edel gekleidete Leute rein und raus mit aufwendig geschmueckten Kerzen. Mitten durch heizen Kinder auf Inlines oder Mountainbikes - stoert niemanden. Sogar die Kleinen machen aber halt, kuessen den Heiligenbildern die Fuesse und bekreuzigen sich - auch wenn kein Erwachsener in der Naehe ist. Ich bin heute auch schon in eine Beerdigungsprozesion geraten: Auf nem Kleinlaster lag der Sarg, drumherum Kinder. Vor dem Laster wurde eine Glaskiste getragen, soweit ich das erkennen konnte mit nem Haufen Backwaren und Figuren gefuellt. Ady sagte uns er sei orthodox - weiss nicht, ob das dann auch fuer alle anderen hier gilt. Seine Ma (!) hatte mich uebrigens ins Haus geholt und stolz seinen Ghettoblaster, Musikkassettensammlung und Pornovideos gezeigt (nen Fernseher oder Telefon hatten sie nicht). Wie war das? "German girls are great!" ;-) Ich kann den hiesigen Schoenheiten durchaus auch was abgewinnen. Kleider und Roecke koennten in Deutschland ruhig mal wieder "in" sein. Eine auf meiner Karte eingezeichnete Bruecke entpuppt sich als Faehrueberfahrt und beim Beladen derselbigen mit mehreren schweren Kieslastern setzen diese mit dem Fahrgestell auf Rampe und Boot auf. Der Abstand zwischen Land und Faehre wird immer groesser... es sind alle an Bord gekommen, aber gesund war das fuer die LKW garantiert nicht. Die letzten km bis hierher haengt sich ein Einheimischer mit seinem Mountainbike in meinen Windschatten und haelt die ganze Strecke bei 25km/h mit - nicht schlecht, nicht schlecht. Der war bisher der ausdauerndste "Dorfheizer". Mein Nickerchen auf der Bank wird von drei Uniformierten unterbrochen. Reine Neugier. Wird ne lustige Runde Pantomieme und Pictionarie - keiner von denen spricht irgendwas ausser Rumaenisch. Der Italiener und der Spanier, die spaeter dazukommen helfen auch nichts. Erst Mihail Liviu bringt mit seinen Englischkenntnissen ne vernuenftige Unterhaltung in Gang. Allerdings nimmt der mich anschliessend zur Seite, erzaehlt mir seine Lebensgeschichte (Autounfall, zwei Monate Koma, arbeitslos - er traegt tatsaechlich die Narben mehrerer schwerer Kopfverletzungen) und will meine Adresse in Deutschland. Als er dann aber anfaengt mich zunehmend zu betatschen, wissen will, ob ich alleine unterwegs bin, wo ich heute uebernachte und wieviel Bargeld ich dabeihabe, mach ich mich lieber vom Acker. Ein Laster schafft die Steigung nicht und schnauft sich im Stillstand tot. Ich fahr gluecklicherweise bergab dran vorbei und teile sein Schicksal nicht ;-) Mein Desinfektionsspray ist ausgelaufen, jetzt ist der Inhalt der ganzen Tasche steril. Drei grosse streunende Hunde umzingeln mein Zelt und knurren und bellen wie verrueckt. Ich kann sie immer nur kurz vertreiben, dann kommen sie wieder - nervig. Komische Gegend hier. Bahngleise enden einfach, Hochspannungsmastenohne Kabel, Brueckenpfeiler mitten auf dem Acker und ein ausgetrockneter Flusslauf. Letzterer ist teilweise zugeschuettet, so dass es Bruecken gibt, die ein einsames Loch ueberspannen - sieht absurd aus.

2004-05-02

What a day! Startet mit dem ueblichen Gegenwind - nur diesmal von hinten! Motiviert von diesem Umstand, der Ausicht bald in die Berge zu kommen und der sowieso langweiligen Highwaystrecke zisch ich die ersten 80km des Tages schon am Vormittag weg - mit nem Rekordschnitt von 28,7km/h! Danach bremsen die Staedte und beginnenden Berge mein Vorwaertskommen, aber 182km werden es dennoch sein am Abend. Ab ca 25km/h kann ich bei meiner derzeitigen Beladung problemlos freihaendig fahren (gell Barty?! ;-) ) und ab 45km/h reicht meine Uebersetzung nicht mehr aus um laengerfristig mitzutreten. Ich fahr ueber nen Staudamm, wie schon die Donaubruecke vor Tagen ist auch dieser von Soldaten mit automatsichen Waffen bewacht. Das Land hat sich sehr veraendert. Es ist nicht nur huegelig geworden, sondern endlich auch wieder bewaldet (bin sogar an einem "schuetzt die Baeren" Schild vorbeigefahren). Ausserdem scheinen die Menschen hier mehr Kohle zu haben, zumindest sind die Haeuser prolliger und statt Pferdewagen ist wieder haufenweise Autoverkehr unterwegs. Nach der letzten Steigung des Tages werde ich von ner Familie zur Grillparty am Strassenrand eingeladen. Ich werde festlich bewirtet und bekomme diverse Anstecknadeln und Federn als Auszeichnungen an mein Kopftuch. Ausserdem Win. Hoelle! Zwei Glaeser und ich bin schon derbstens schicker. Nach annaehernd 200km und 30C wohl kein Wunder. Obwohl ich mir richtig Muehe gegeben hatte wenigstens 1Liter Wasser pro Stunde zu trinken. Naja, jetzt erstmal das restliche Fleisch futtern und dann gute Nacht! Immerhin ist es gerade dunkel geworden, also schon lange Schlafenszeit (2130Uhr) ;-)

2004-05-03

Die Temperaturen klettern kaum je ueber -30C, wo ich sonst einen Atemzug tue brauche ich jetzt derer drei und Wasser braucht statt 10 ploetzlich 30min zum Kochen: Ich bin im Gebirge. Naja fast. Mein Tacho gibt mir als hoechste erreichte Hoehe 852m an. Um mich herum gibt es Gipfel mit Schneeresten oben drauf, aber keine Strassen dorthin. Kaelter geworden ist es dennoch und am Abend muss ich sogar mein Regenzeug noch einmal aktivieren. Total schoene Gegend, sollte man eigentlich mal bewandern. Wie geht das bei McDonald's? "I'm lovin it (tm)".

2004-05-04

Heute morgen war es noch so kalt und bedeckt, dass ich mich sorgte wie ich meine regennassen Klamotten vom Vortag trocknen soll. Mittlerweile lieg ich bei 33C unter nem Felsen im Schatten und mach Rast am Fluss. Der ist uebrigens feinstes (body-)floating Gewaesser Jungs! ;-) Keine 300m ueber mir haelt sich im Schatten der Baeume der letzte Schnee. Scheint das absolute Traumgebiet zum Schlittenfahren zu sein. Steile Grashaenge und keine (naja fast keine) Klippen - nicht wahr Richy?! ;-) Meine gute Tat fuer heute war zwei Bauern mit meinem Flickzeug beim Reparieren ihres Treckerreifens zu helfen. Irgendwie lustig - haette nie gedacht, dass das dafuer mal zum Einsatz kommen wuerde. Weiterfahrt... holy shit! Ich bin in Klein Canada gelandet! Wonderful! Die Strasse windet sich entlang des Flusses durch menschenleere Taeler immer hoeher. Rechts und links steile, dunkel bewaldete Haenge. Der einzige traffic wird durch den occasional logging truck gestellt. Auf 1200m Hoehe (sagt zumindest mein Tacho, ich hab den seit Deutschland nicht mehr geeicht und meine Karte gibt derart Informationen nicht her) passiere ich die ersten Schneewehen - immer noch locker in kurzer Hose und t-shirt bei 19C. Und dann... doch fuehre mich nicht in Versuchung... verdammt nochmal, auf einen dieser Gipfel will ich rauf! Eine kleine nervige Stimme noergelt rum von wegen kein Proviant, kein Rucksack, keine Steigeisen, keine Karte, niemand weiss, wo du bist, kein sicherer Platz fuer das Fahrrad, niemals alleine, blabla... Erstmal geb ich nach, ist eh schon zu spaet am Tag. Aber der Fluss, dem ich folge, ist noch sehr gross, und irgendwo muss das viele Wasser ja herkommen... Versuche mir den Schnurrbart mit der Taschenmesserschere zu stutzen. Allerdings hab ich nur meinen Rueckspiegel am Bike zur Verfuegung und das ist ein Zerrspiegel. Was soll's - betoeren will ich hier eh niemanden ;-) Eigentlich wollte ich mir die Haare nach dem Kahlscheren zu Beginn der Tour ja gar nicht mehr schneiden, aber zumindest Oberlippe muss sein, das stoert sonst beim Essen. Menschen muessten im Prinzip sowieso wieder n Fell haben- gut gegen Sonnenbrand und gegen Kaelte. Oder wenigstens gruene Photosynthese Haut. Ich meine, think about it. Aus Wasser, Kohlenstoff und Sonne mach Energie und Sauerstoff - damit waer ich ja schon fast n Perpetuum Mobile aufm bike. Also Gentechniker an die Front! Und wenn ihr schon dabei seid haett ich gerne noch ein paar Kiemen.

2004-05-05

Grmpf! Nix Expedition heute. Ich lieg seit zwei Stunden im Zelt und warte, dass der Regen aufhoert. Dabei hatte ich es extra so aufgebaut, dass ich morgens von der Sonne geweckt werde. Jetzt bin ich seit 8Uhr wach und die Sonne hat sich immer noch nicht blicken lassen. Dafuer klopft Martin an meine Tuer. Martin ist seit ein paar Wochen mit dem bike unterwegs, gestartet ist er in Berlin mit Ziel Australien. Wir unterhalten uns (endlich mal wieder Muttersprache!) und tauschen Adressen aus. Martin hat sich um seine benoetigten Visa von Deutschland aus gekuemmert, hat da also alles in trockenen Tuechern und ist sicher vor Pannen wie der meinen. Dafuer ist er bereits jetzt in Zeitstress und muss einen genauen Zeitplan einhalten um den Visums Terminen nachzukommen. Da weiss ich echt nicht, was besser ist... Er faehrt mit der merkwuerdigsten Beladung, die ich gesehen habe: die beiden grossen Ortliebs vorne, eine (!) kleine hinten und nen Packsack quer rueber. Wie um die erwaehnten Floating Qualtitaeten des Flusses zu unterstreichen zischt ne Gruppe Canoe Touristen an meinem Lagerplatz vorbei. Das Wetter bleibt gewoehungsbeduerftig (read: beschissen!) und so verzichte ich auf ne Trekking Tour und begnuege mich damit den Pass zu fahren. Mit 1428m Hoehe nicht sonderlich beeindruckend. Es gewittert und regnet abwechselnd, meine Regenklamotten, die sonst ne Stunde oder so trockenhalten sind bei den Guessen innerhalb von 10 Minuten durch. Der Wind dreht auch jede Sekunde. Ein gutes hat das ganze aber: so Blitze sehen ueber den Bergketten noch um einiges beeindruckender aus als sonst. Der Stil der Haeuser hat sich erneut veraendert. Hier wird viel mit Holz gebaut, es gibt viele Rohbauten. Vor den Grundstuecken stehen freistehende, ueberdachte, reich mit Schnitzereien verzierte Eingangstore. Oft 4m hoch, sieht komisch aus, da der sonstige Zaungerade huefthoch ist. Es gibt auch das erste mal eine erkennbare touristische Infrastruktur mit "frei Zimmer" und "Zimmer freie".

2004-05-06

Ich fahre nen Umweg, da dort noch ein Pass zu haben sein soll. Dieser entpuppt sich mit 600 und n paar kaputten Hoehenmetern eher als Paesschen mit einer wunderschoenen Serpentinenauffahrt durch den Wald. Durch ein Gewitter und Killer Wolkenbruch werde ich allerdings sowohl um die Aussicht von oben wie auch um die Abfahrt beschissen. Die Strasse verwandelt sich in einen Sturzbach aus brauner Bruehe. Nur an den unterschiedlichen Stromschnellen laesst sich noch erahnen, ob unter dem Wasser gerade Asphalt, Kopfsteinpflaster oder ein Schlagloch ist. Zudem spuelt das Wasser den ganzen Kies der Boeschung auf die Strasse. Bei diesen Bedingungen sind hohe Geschwindigkeiten nicht drin. Unten angekommen werde ich von nem Haufen Schaulustiger auf einer Bruecke herangewunken. Die bewundern gerade wie sich ihr beschauliches Dorfbaechlein innerhalb von Minuten in einen reissenden Strom verwandelt hat. Anhaltrer gibt's hier ueberall, aber nen LKW mit 6 (!) Leuten auf der Fahrerbank nebeneinander hatte ich vorher dennoch nicht gesehen. Nachdem es ein paar Stunden trocken mit Rueckenwind war (lustiges Spiel: ich bin mit 35km/h hinter nem Bus hergerauscht und hab den an jedem Stop ueberholt - die Maedels auf der letzten Bank hatten ihren Spass und mich angefeuert ;-) ) gibt es ein deja vu vom Vormittag: wieder schoene Serpentinenauffahrt, wieder Gewitter mit Wolkenbruch. Dann Gegensturm, dass ich sogar bei Gefaelle noch treten muss, um nicht stehenzubleiben. Wind dreht, kommt jetzt von schraeg vorne, was die Situation nur verschlimmert, da mich Boeen jetzt regelmaessig von der Strasse fegen. Ich hab fast die Schnauze voll, da ueberholt mich ein LKW mit grosszuegig geschaetzten 2cm Abstand und haut mich wieder von der Strasse. Jetzt erst recht! Denk ich mir und baller ueber mein Tagesziel hinaus ueber die ungarische Grenze. Statt des geplanten, gemuetlichen Einkaufs hau ich mein Restgeld rumaenischer Waehrung in ner Tanke auf den Kopf. Vor einer Woche hatte ich 25Euro in Lei, an der Tanke waren noch 13 uebrig, die jetzt groesstenteils in Form von Schokoriegeln mitfahren ;-) Meine Telefonkarte wollte ich eigentlich mit nem Anruf nach Deutschland leeren, aber scheinbar erlauben die Telefonzellen keine Ferngespraeche. Ach ja, ich waer noch fast Zeuge eines ungewohnlichen Unfalls geworden: zwei augenscheinlich ziemlich betrunkene Bauern lassen ihr Pferdegespann in vollem Gallop die Dorfstrasse hochballern. Aus einer Querstrasse kommt ein Hund geschossen. Dieser schafft es so gerade noch auf dem Bauch schlitternd zum Stillstand und nicht unter die Hufe zu kommen.

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